Persönliche Schutzausrüstung

Was sollte man über die persönliche Schutzausrüstung beim Motorradfahren wissen? Hier eine Zusammenstellung von „Kopf bis Fuß“ mit den wichtigsten Infos und worauf man schon beim Kauf achten sollte.

Vorwort

Das Motorradfahren ist ein ganz besonderes Erlebnis, birgt allerdings auch Risiken, die beim Autofahren nicht zu berücksichtigen sind. Hierzu zählt in erster Linie, dass die Motorradfahrerin und der Motorradfahrer allen Elementen wie Sonne, Wind, Regen, Hitze, Kälte, Glätte und auch umherfliegenden Teilen und Schmutz ganz direkt ausgesetzt ist, während man im Auto umgeben von Spezialglas und Karosserie, mit Lüftung, Heizung und Klimaanlage gut davor geschützt ist.

Die zusätzliche Betrachtung eines möglichen Unfalls, bringt zusätzlichen Fokus auf die persönliche Schutzausrüstung für Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer. Nur zwei Räder, statt vier, Abhängigkeiten von physikalischen Kräften und keine Knautschzone machen eine andere Bewertung und die Notwendigkeit von PSA deutlich.

Noch deutlicher macht es aber das Video der Australischen „Transport Accident Commission“ von 2022:

Quelle: YouTube
Copyright: Transport Accident Commission – Human Crayon (2022, Australia)

Warum „PSA“?

PSA steht als Abkürzung für die „Persönliche Schutzausrüstung“

Cruiserfreun.de vertritt die Meinung „Dress for the slide, not the ride!“, also übersetzt: „Kleide dich für den Sturz und nicht um dich darzustellen.“

Zu den wichtigsten Elementen der PSA beim Motorradfahren zählen von Kopf bis Fuß:

  • Helm – Schutz des Kopfs
  • Halstuch / Sturmhaube – Schutz vor eindringenden Insekten und der Sonne
  • Sonnenbrille / Sonnenvisier – Auch bei Gegenlicht klare Sicht behalten
  • Jacke – Schutz des Oberkörpers und der Arme
  • Protektorenweste / Airbagweste – zusätzlicher Schutz des Oberkörpers
  • Handschuhe – Schutz der Hände und Finger
  • Hose – Schutz des Unterkörpers inkl. Becken und Beine
  • Schuhe – Schutz der Füße inkl. Knöchel und Unterschenkel
  • Funktionswäsche – Sonderthema zur Unterbekleidung
  • Reinigung und Pflege der PSA – Sonderthema in den jeweiligen Punkten beleuchtet

Der Helm

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Die Helmtypen (Aufbau & Sicherheit)

  • Integralhelm (Full-Face):

    • Aufbau: Feste, durchgehende Außenschale mit fest integrierter Kinnpartie.

    • Sicherheit: Sehr hoch (Referenz). Bietet den maximalen Schutz für Schädel, Gesicht und Unterkiefer, da keine Schwachstellen durch Klappmechanismen existieren.

  • Klapphelm / Modularhelm (Modular):

    • Aufbau: Hochklappbare Kinnpartie. Hochwertige Modelle verfügen über eine P/J-Homologation (Zulassung als Integral- und Jethelm). Inzwischen auch als „Convertibles“ zu bekommen, wo die Kinnpartie sich bis an den Hinterkopf zurückschieben lässt um echtes Jethelm-Feeling zu geben.

    • Sicherheit: Hoch. Erreicht geschlossen fast das Niveau eines Integralhelms. Die Scharniere und der Verriegelungsmechanismus bedeuten jedoch ein leichtes Sicherheitsminus sowie ein höheres Gewicht.

  • Enduro- / Adventure- / Motocross-Helm (Dual Sport / Offroad):

    • Aufbau: Ausgeprägte Kinnpartie für maximale Belüftung, Schirm (Sonnenschutz/Steinschlag) und wahlweise Visier oder Betrieb mit Crossbrille.

    • Sicherheit: Sehr hoch im Geländeeinsatz. Auf der Straße sorgt der Schirm bei hohen Geschwindigkeiten allerdings für Windangriffsfläche und Auftrieb.

  • Jethelm (Open-Face):

    • Aufbau: Offene Bauform ohne Kinnbügel, meist mit langem Visier oder Sonnenbrille.

    • Sicherheit: Mäßig. Schützt den Hinterkopf und die Seiten, bietet aber keinerlei Schutz für Gesicht, Kiefer und Kinn bei einem Frontalaufprall.

  • Braincap (Half-Shell):

    • Aufbau: Schützt lediglich die obere Kopfhälfte.

    • Sicherheit: Sehr gering. Erfüllt in der Regel nicht die Norm ECE 22.06 und ist als PSA im öffentlichen Straßenverkehr nicht zugelassen bzw. verkehrsunsicher.

2. Die Außenschalen-Materialien

Das Material bestimmt die Haltbarkeit, das Gewicht und die Energieschluckfähigkeit der Außenschale:

Material Herstellung Eigenschaften & Haltbarkeit
Thermoplast (z. B. Polycarbonat, ABS) Spritzgussverfahren Günstig in der Herstellung, etwas schwerer. Empfindlich gegenüber UV-Strahlung und Lösemitteln. Nutzungsdauer: ca. 3–5 Jahre.
Duroplast / Fiberglas (GFK) Handlaminierte Glasfasern Sehr robust, gute Schlagdämpfung, leichter als Thermoplast. Alterungsbeständig gegen UV-Licht. Nutzungsdauer: ca. 7–10 Jahre.
Carbon / Composite (CFK, Aramid) Kohlefaser-Verbundstoffe Extrem leicht, maximale Steifigkeit und herausragende Schlagabsorption. Sehr kostspielig. Nutzungsdauer: ca. 7–10 Jahre.

3. Die „Inneren Werte“

Die Außenschale eines Helms schützt vor Durchdringung und verteilt die Aufprallenergie auf eine größere Fläche. Das eigentliche Dämpfungssystem sitzt jedoch direkt darunter.

1. Die EPS-Innenschale (Styropor-Kern)

Die innere Schale besteht aus EPS (Expanded Polystyrene, expandiertes Polystyrol). Sie übernimmt die Hauptarbeit bei der Energieabsorption während eines Sturzes:

  • Funktionsweise: Bei einem Aufprall wird die EPS-Schale durch die einwirkenden Kräfte komprimiert (platgedrückt). Durch diese plastische Verformung wird die Bewegungsenergie des Kopfes in Verformungsenergie umgewandelt und so der Aufprall abgefedert.

  • Knackpunkt Einmalfunktion: Ein EPS-Schaum kann sich nach einer Stauchung nicht wieder ausdehnen. Selbst wenn der Helm äußerlich unbeschädigt wirkt, ist die Schutzfunktion der Innenschale nach einem Sturz oder einem harten Schlag auf den Boden zerstört. Ein Helm muss daher nach jedem Sturz ersetzt werden.

  • Multi-Density EPS: Moderne Helme nutzen EPS-Schichten mit unterschiedlichen Dichten (z. B. weicherer Schaum direkt am Kopf für leichte Stöße, härterer Schaum zur Schale hin für extreme Krafteinwirkungen).

2. Rotationsschutz & Zusatzsysteme (MIPS & Co.)

Klassische Normprüfungen testeten lange Zeit fast ausschließlich lineare Aufprallkräfte (geradliniges Stoßen). In der Realität schlägt der Kopf bei einem Sturz jedoch fast immer schräg auf, was zu einer Rotationsbeschleunigung führt. Das Gehirn wird im Schädel verdreht, was schwere Scherverletzungen (z. B. Gehirnerschütterungen oder Geweberisse) verursachen kann.

modern Zusatzsysteme wirken dieser Rotationsenergie entgegen:

  • MIPS (Multi-directional Impact Protection System):

    • Aufbau: Eine bewegliche, reibungsarme Kunststoffschale (Low-Friction Layer) sitzt zwischen der Komfortpolsterung und der EPS-Innenschale.

    • Funktionsweise: Bei einem schrägen Aufprall erlaubt das MIPS-System eine Relativbewegung des Helms zum Kopf von 10 bis 15 Millimetern in alle Richtungen innerhalb der ersten Millisekunden. Dadurch wird ein großer Teil der Rotationsenergie absorbiert und nicht an das Gehirn weitergeleitet.

  • Weitere Herstellersysteme:

    • Ähnliche Ansätze bieten Systeme wie MEDS (Arai), Fluid Inside oder viskoelastische Einsätze (z. B. Koroyd oder Leatt 360 Turbine). Sie nutzen deformierbare Elemente oder Gel-Strukturen, um sowohl lineare als auch rotierende Kräfte abzudämpfen.

Fazit: Während das Zusammenspiel aus Außenschale und EPS-Kern die Basis für den Schutz vor Schädelbrüchen bildet, reduzieren Rotationsschutzsysteme wie MIPS das Risiko von Gehirnverletzungen bei realen Sturzszenarien maßgeblich.

Normen, Tipps & Pflege

Im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es streng genommen keine eigenständigen ISO-Normen für Motorradschutzbekleidung, sondern EN-Normen (Europäische Normen). Wenn ISO mit im Spiel ist (z. B. EN ISO 13688 für allgemeine Schutzkleidung), dient sie als Basisprüfung. Das CE-Zeichen garantiert wiederum, dass die Bekleidung offiziell als PSA nach der EU-Verordnung 2016/425 geprüft und zugelassen wurde.

Kopf: Helme (ECE R 22.06)
Helme werden über die Prüfnorm der UN-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE) zertifiziert.
ECE R 22.06: Aktuell gültiger Standard (löste ECE 22.05 ab). Prüft Aufpralldämpfung bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Visierfestigkeit sowie das Rotationsverhalten bei schrägem Aufprall (Schutz des Gehirns vor Verdrehungen).

Tipps & Pflege

  • Loops / Buffs, Halstücher oder Sturmhauben eignen sich um das Innenfutter des Helms zu schonen und Schweiß abzuführen. An der Vorderseite schließen sie zwischen Jacke und Helm so ab, dass Insekten von dort aus nicht in den Helm kommen, auf der Rückseite schließen sie so ab um das Genick vor Sonnenbrand zu schützen und  halten auch bei Regen einen Teil des Wassers davon ab in die Jacke zu laufen.
  • Visier-Reinigung: Niemals trocken abwischen (Kratzergefahr!). Ein feuchtes Mikrofaser- oder Papiertuch für einige Minuten auflegen, um Insekten aufzuweichen, danach sanft abwischen und bei Bedarf mit Visierreiniger und einem weichen, sauberen Tuch erneut reinigen. Für Pin-Lock Antibeschlag-Visiere bitte genau die Pflegeanleitung des Herstellers beachten, da diese sehr kratzempfindlich sind! 

  • Reinigung & Pflege der Helmschale (aussen): Zur Helmpflege empfiehlt cruiserfreun.de den „Helm- und Visierreiniger“ von S100, alternativ den „Helmet & Visor Clean“ von Motul. Hierbei stets mit einem weichen Microfasertuch arbeiten. Hartnäckig eingetrockneter Dreck lässt sich zudem vor der eigentlichen Reinigung mit aufgelegten nassen Papiertüchern (Küchenrolle/Toilettenpapier) aufweichen um die Reinigung zu erleichtern. Für Helmschalen mit mattem Finish eignet sich zur Pflege nach der Reinigung auch das Dr. Wack S100 Mattwachs zum aufsprühen.
  • Innenfutter: Das meist dreiteilige Komfortfutter (Wangenpolster links/rechts, Kopfpolster) ist bei den meisten Qualitätshelmen herausnehmbar und lässt sich im Handwaschgang mit mildem Feinwaschmittel bei 30 °C waschen. Lufttrocknen lassen – niemals in den Trockner geben! Zusätzlich zum Waschen gibt es auch Helmpolsterreiniger als Spray oder Schaum um eine Geruchsbildung im Helm zu reduzieren. Cruiserfreunde empfiehlt den Helmpolster-Reiniger von Nigrin Moto-Bike.

  • Lagerung & Austausch: Kühl, trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt lagern. Nach einem Sturz oder einem harten Aufschlag auf den Boden muss der Helm aus Sicherheitsgründen zwingend ausgetauscht werden, da die innere EPS-Dämpfungsschale komprimiert wurde.

 

Oberbekleidung (Jacke, Protektorenhemd, Protektoren- und Airbagweste)

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Motorradjacken (Leder vs. Textil)

Der Grundbaustein für den Oberkörperschutz sorgt primär für Abrieb- und Reißfestigkeit sowie den Halterahmen für Gelenkprotektoren.

  • Leder (Rind- oder Känguruleder):

    • Material: Naturmaterial, dicht verzahnte Faserstruktur. Känguruleder ist bei geringerer Materialstärke noch reißfester als Rindleder.

    • Schutzbewertung: Sehr hoch (Referenz). Bietet auf Asphalt das mit Abstand höchste Abriebverhalten (erreicht mühelos Klasse AAA nach EN 17092).

    • Vorteile: Extrem sturzfest, sitzt nach dem Einfahren passgenau am Körper (kein Flattern), sehr langlebig.

    • Nachteile: Schwer, temperaturempfindlich (kalt im Winter, heiß im Sommer), im Originalzustand nicht wasserdicht, erfordert Pflege.

  • Textil – Standard-Polyamid / Polyester (z. B. 500D bis 1000D):

    • Material: Kunstfasern. Die Zahl „D“ (Denier) gibt die Fadenstärke an – je höher, desto abriebfester.

    • Schutzbewertung: Mäßig bis Gut (Klasse A bis AA nach EN 17092). Reicht für den Alltags- und Toureneinsatz vollkommen aus.

    • Vorteile: Vielseitig, oft direkt wasserdicht durch Membranen (Gore-Tex etc.), sehr wetterfest, leicht und bequem.

    • Nachteile: Schmilzt bei Reibungshitze auf Asphalt schneller durch als Leder, Protektoren können bei zu weitem Sitz verrutschen.

  • Textil – High-Tech-Gewebe (Cordura®, Kevlar® / Aramid, Dyneema®):

    • Material: Spezialfasern, bei denen abriebfestes Nylon mit extrem reißfestem Aramid/Kevlar verwoben wird.

    • Schutzbewertung: Sehr hoch (erreicht als Verstärkung oder Vollgewebe oft Klasse AA bis AAA).

    • Vorteile: Vereint die Wetterfestigkeit von Textil fast mit den Abriebwerten von Leder; sehr hohe Hitzebeständigkeit.

    • Nachteile: Deutlich teurer in der Anschaffung; Kevlar ist UV-empfindlich und muss geschützt eingewoben sein.

 

2. Passiver Protektorenschutz (Protektorenwesten & Hemden)

Protektorenhemden oder -westen werden körpernah unter der Jacke getragen oder bilden (mit Abriebschutz überzogen) das Protektorengerüst. Inzwischen gibt es auch Protektorenhemden mit Schutzklasse AA im Abrieb von den Firmen Knox (Urbane Pro) und Held (Pro X Air Mesh), die auch OHNE eine Textil- oder Lederjacke darüber als sichere Schutzbekleidung getragen werden können.

  • Aufbau & Material: Viskoelastischer Schaum (z. B. SAS-TEC, D3O), der bei Raumtemperatur weich ist, sich aber beim Aufprall sofort verhärtet.

  • Schutzbewertung: Gut bis Sehr gut (Level 1 oder Level 2 nach EN 1621). Schutz beschränkt sich auf punktuelle Schläge auf Gelenke, Brust und Rücken (kein flächiger Dämpfungsschutz für innere Organe).

  • Vorteile: Protektoren sitzen direkt am Körper und verrutschen selbst bei einem Sturz nicht; extrem flexibel im Alltag.

  • Nachteile: Kein Schutz vor großflächigen Staucherkräften oder Dehnungen des Brustkorbs/Nackens. Nicht alle Protektorenhemden bestehen aus einem abriebsfesten Material, manche sind zudem explizit nur für den Offroadbetrieb empfohlen.

 

3. Aktiver Schutz: Airbagwesten (Mechanisch vs. Elektronisch)

Airbagwesten blasen sich bei einem Unfall in Millisekunden auf und schützen Brust, Rücken, Rippen, Schlüsselbeine und Nacken vor extremen Krafteinwirkungen und Überdehnung.

Kriterium Mechanische Airbagweste (Reißleine) Elektronische Airbagweste (Sensoren/KI)
Funktionsweise Reißleine wird am Motorrad befestigt. Löst aus, sobald der Fahrer vom Bike getrennt wird. Gyroskope & Beschleunigungssensoren messen 1000x/Sek. Bewegungsmuster.
Schutzbewertung Sehr hoch bei Fahrstürzen (Low- / Highsider). Schützt nicht bei Unfällen im Stand. Maximaler Schutz. Erfasst auch Unfälle im Stand (z. B. Auffahrunfall an der Ampel).
Vorteile

* 100 % zuverlässig, wartungsarm, kein Akku.

 

* Kartusche nach Fehlauslösung günstig selbst wechselbar (~35 €).

* Sehr schnelle Auslösezeit (oft < 40 ms).

 

* Keine physische Verbindung zum Bike nötig.

Nachteile

* Auslösung erfolgt erst bei Trennung vom Fahrzeug.

 

* Reißleine muss bei jeder Fahrt an-/abgeclipst werden.

* Akku muss regelmäßig geladen werden.

 

* Folgekosten (Software-Abo oder teure Hersteller-Wartung nach Auslösung).

Zusammenfassende Empfehlung: Für maximale Sicherheit auf der Straße ist die Kombination aus einer abriebfesten Außenhaut (Leder oder High-Tech-Textil), fest sitzenden Level-2-Protektoren und einer ergänzenden Airbagweste das derzeit technisch machbare Optimum.

Oberbekleidung-Extra: Motorrad-Hoodies und Flanellhemden

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Normale Straßenkleidung weht auf Asphalt in Millisekunden durch. Motorrad-Hoodies und Flanellhemden nutzen zwei Bauweisen:

  • Vollflächiges Innenfutter (Aramid/Kevlar): Das äußere Material ist 100 % Baumwolle oder Synthetik (für die Optik). Darunter liegt ein durchgehendes Futter aus abriebfestem Aramid, Kevlar oder Dyneema.

  • Single-Layer-Gewebe: Die abriebfeste Faser wird direkt mit der Baumwolle oder dem Flanell verwoben. Das macht die Kleidung dünner, leichter und atmungsaktiver.

  • Protektorentaschen: An Schultern und Ellbogen (oft auch am Rücken) sind Protektoren eingearbeitet – meist sehr dünne, flexible Protektoren (z. B. Ghost-Protektoren), damit sie von außen nicht auftragen.

2. Sicherheitsniveau & Grenzen

  • Zertifizierung: Fast alle modernen Biker-Hoodies und -Hemden erreichen die Klasse A nach EN 17092 (gelegentlich Klasse AA bei sehr hochwertigen Modellen).

  • Einsatzbereich: Perfekt für die Stadt, den Arbeitsweg, Treffen im Biergarten oder gemütliche Landstraßen-Cruiser-Touren bei niedrigen bis mittleren Geschwindigkeiten.

  • Grenzen: Für die Autobahn, sehr hohe Geschwindigkeiten oder sportliches Fahren sind sie nicht gedacht. Durch den weichen Stoff wehen sie bei Wind leicht auf und die Protektoren sitzen nicht so stramm am Körper wie bei einer Lederjacke.

3. Vor- und Nachteile auf einen Blick

  • Vorteile:

    • Ziviler Look: Man sieht auf den ersten Blick nicht wie im „Panzer“ aus und kann das Hemd/den Hoodie direkt im Alltag anbehalten.

    • Hoher Tragekomfort: Sehr weich, flexibel und extrem bequem.

    • Belüftung: Baumwoll-Mix-Stoffe sind meist sehr atmungsaktiv und ideal für heiße Sommertage.

  • Nachteile:

    • Geringerer Abriebschutz: Meist nur Klasse A.

    • Nicht wetterfest: Bieten keinen Schutz vor Regen oder kaltem Fahrtwind.

    • Verrutschrisiko: Protektoren können bei einem Sturz schneller verdrehen als in eng anliegenden Leder- oder Tourenjacken.

Fazit: Casual-Bikerbekleidung ist ein hervorragender Kompromiss für die Stadt und kurze Strecken – meilenweit sicherer als eine normale Alltagskleidung, aber strukturell unterhalb von klassischen Textil- oder Lederkombis angesiedelt.

Normen, Prüfverfahren & Tipps

Im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es streng genommen keine eigenständigen ISO-Normen für Motorradschutzbekleidung, sondern EN-Normen (Europäische Normen). Wenn ISO mit im Spiel ist (z. B. EN ISO 13688 für allgemeine Schutzkleidung), dient sie als Basisprüfung. Das CE-Zeichen garantiert wiederum, dass die Bekleidung offiziell als PSA nach der EU-Verordnung 2016/425 geprüft und zugelassen wurde.

Oberkörper & Gliedmaßen: Protektoren (DIN EN 1621)
Protektoren schützen gezielt Knochen und Gelenke vor Schlägen. Sie werden in **Level 1** (Standard-Dämpfung) und **Level 2** (höhere Dämpfung, lässt nur ca. die Hälfte der Restkraft durch) unterteilt:
EN 1621-2 (Rücken): Prüft die Stoßdämpfung im Wirbelsäulen- und Steißbeinbereich.
EN 1621-3 (Brust): Spezialnorm für Brustprotektoren (Dämpfung und Penetrationsschutz).
EN 1621-1 (Gelenke): Gilt für Schulter-, Ellbogen-, Hüft- und Knieprotektoren.
EN 1621-4 (Airbags):Norm für mechanisch oder elektronisch auslösende Airbag-Systeme an Oberkörper und Nacken.

Tipps & Pflege:

  • Leder-Pflege: Regelmäßig mit speziellem Lederbalsam oder -fett behandeln, damit das Naturmaterial geschmeidig bleibt, seine Reißfestigkeit behält und wasserabweisend bleibt. Nach Regenfahrten bei Zimmertemperatur trocknen lassen (niemals auf die Heizung legen!).

  • Textil-Pflege: Schmutz nach Tour-Ende mit einer Polsterbürste abbürsten. Vor dem Waschen (Schonwaschgang bei 30 °C) alle Protektoren und das herausnehmbare Thermo-Innenfutter entfernen. Cruiserfreunde empfiehlt das Funktionswaschmittel von Dr. Wack S100

  • Imprägnierung: Textiljacken und Membranen nach dem Waschen im trockenen Zustand mit einem PFC-freien Imprägnierspray auffrischen, damit der Oberstoff kein Wasser („Sättigung“) mehr aufsaugt. Cruiserfreunde empfiehlt das Imprägnierspray von Dr. Wack S100

 

 

Die Handschuhe

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Die Helm-bis-Fuß-Einordnung: Warum Handschuhe essenziell sind

Bei einem Sturz ist der natürliche Reflex fast immer das Abfangen mit den Händen. Handschuhe müssen daher enormen Abrieb- und Aufprallkräften standhalten und sind nach DIN EN 13594 zertifiziert:

  • Level 1: Standard-Abriebfestigkeit und Schutz (ausreichend für Alltag & Stadt).

  • Level 2: Höhere Reiß- und Abriebfestigkeit, verpflichtende Knöchelprotektoren und lange Stulpen (für Touren, Sport und hohe Geschwindigkeiten).

2. Aufbau & Sicherheitsmerkmale

Ein vollwertiger Motorradhandschuh schützt nicht nur die Haut vor Abrieb, sondern auch die Knochenstruktur der Hand:

  • Knöchelprotektor: Hartschalen aus Carbon, TPU-Kunststoff oder viskoelastischem Schaum schützen die Mittelhandknochen bei harten Schlägen.

  • Handballenschutz / Slider: Ein Schleifer aus hartem Kunststoff oder Spezialleder (z. B. Roggenhaut) am Handballen verhindert, dass die Hand beim Asphaltkontakt aufgreift und das Handgelenk verdreht oder bricht; stattdessen gleitet sie ab.

  • Fingerbrücke: Bei Sport- und Tourenhandschuhen sind Ringfinger und kleiner Finger oft miteinander verbunden, um ein Umknicken/Abreißen des kleinen Fingers zu verhindern.

  • Handgelenksverschluss: Ein fester Klettverschluss am Handgelenk stellt sicher, dass der Handschuh bei einer Rutschpartie nicht von der Hand gezogen wird.

3. Materialien im Vergleich

Material Schutz & Eigenschaften Einsatzbereich
Rindleder Sehr abriebfest, robust, passt sich der Handform an. Sport, Touren, Klassik
Känguruleder Höhere Reißfestigkeit als Rindleder bei dünnerer Wandstärke; bietet extrem gutes Griffgefühl an der Innenhand. Sport & Premium-Touren
Ziegenleder Sehr weich, geschmeidig und trotzdem erstaunlich abriebfest. Urban, Cruiser, Sommerhandschuhe
Textil / Mesh Sehr leicht, extrem atmungsaktiv, aber geringerer Abriebschutz als Leder. Hochsommer, Enduro/Offroad
High-Tech-Mix Kombination aus Leder (Innenhand) und Aramid/SuperFabric/Gore-Tex (Oberhand). Allwetter & Langstrecke

4. Handschuh-Typen nach Jahreszeiten & Einsatzzweck

  • Sommerhandschuhe (Mesh / Perforiertes Leder):

    • Aufbau: Kurzer Schaft, Perforation oder Mesh-Einsätze für maximale Belüftung.

    • Sicherheit: Meist Level 1. Gutes Griffgefühl, schützt gut bei Hitze, bietet aber bei Dauerregen oder Kälte keinen Schutz.

  • Übergangs- & Tourenhandschuhe (Spring/Autumn):

    • Aufbau: Mittellanger bis langer Schaft, oft mit wind- und wasserdichter Membran (z. B. Gore-Tex®). Leicht gefüttert.

    • Sicherheit: Level 1 oder Level 2. Hervorragender Allrounder für wechselhaftes Wetter.

  • Winterhandschuhe:

    • Aufbau: Dicke Isolierung (z. B. Thinsulate™), lange Stulpe mit Doppel-Schaft (unter/über die Jacke), 100 % wasserdicht. Gegebenenfalls mit integrierter Heizung.

    • Sicherheit: Level 1. Sehr guter Kälteschutz, allerdings stark eingeschränktes Taktgefühl an Lenker und Hebeln.

  • Sport- & Rennsporthandschuhe:

    • Aufbau: Langer Schaft mit Doppelverschluss, aus 100 % Leder (oft Känguru-Innenhand), ausgeprägte Carbon-Protektoren und Fingerbrücke.

    • Sicherheit: Level 2 (Referenz). Maximaler Abrieb- und Schlagschutz, nicht wasserdicht oder thermisch isoliert.

5. Vor- und Nachteile auf einen Blick

  • Vorteile guter Handschuhe:

    • Schützen vor Schürfwunden, Kapselrissen und Knochenbrüchen.

    • Schützen vor Auskühlung (Kälte verschlechtert die Reaktionszeit der Finger drastisch).

    • Verhindern Blasenbildung und verbessern den Grip am Lenker.

  • Nachteile / Schwachstellen:

    • Sehr dicke Winterhandschuhe mindern das Gefühl für Kupplung und Bremse.

    • Reine Sommer-Mesh-Handschuhe bieten auf der Autobahn nur reduzierten Schutz.

Tipp: Auf der Innenhand sollte niemals an Leder gespart werden – Textil-Handschuhe sollten hier mindestens mit Aramid/Kevlar oder Leder gedoppelt sein!

Normen, Prüfverfahren & Tipps

Im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es streng genommen keine eigenständigen ISO-Normen für Motorradschutzbekleidung, sondern EN-Normen (Europäische Normen). Wenn ISO mit im Spiel ist (z. B. EN ISO 13688 für allgemeine Schutzkleidung), dient sie als Basisprüfung. Das CE-Zeichen garantiert wiederum, dass die Bekleidung offiziell als PSA nach der EU-Verordnung 2016/425 geprüft und zugelassen wurde.

Hände: Handschuhe (DIN EN 13594)
Prüft die Abriebfestigkeit der Innenhand, Naht- und Reißfestigkeit sowie den Schutz des Handrückens.
Level 1: Standard-Schutz für den Alltags- und Stadtverkehr.
Level 2: Erhöhter Schutz mit langen Stulpen und ausgeprägtem Knöchelschutz für höhere Belastungen.

Tipps & Pflege:

  • Lederhandschuhe: Sollten enganliegend gekauft werden, da sich echtes Leder beim Tragen noch leicht an die Hand anpasst. Bei Nässe langsam an der Luft trocknen lassen und im trockenen Zustand mit etwas Lederpflege nachfetten, damit sie nicht spröde werden.

  • Funktions- und Membranhandschuhe: Nicht auf der Heizung oder in der prallen Sonne trocknen, da sonst die empfindlichen Klimamembranen im Inneren beschädigt und undicht werden können.

 

Die Hose

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Die Zertifizierungsklassen nach DIN EN 17092 (Hosen)

Genau wie bei Jacken unterscheidet die Prüfnorm bei Hosen streng zwischen der Belastungsfähigkeit auf dem Asphalt (Abrieb- und Nahtfestigkeit):

  • Klasse AAA (EN 17092-2): Höchster Schutz

    • Eigenschaften: Maximale Abrieb- und Reißfestigkeit (hält selbst extrem langen Rutschpartien bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn oder Rennstrecke stand).

    • Typische Hosen: Dicke Lederhosen/Sportkombis oder sehr hochwertige, mehrlagige High-End-Jeans/Textilhosen.

  • Klasse AA (EN 17092-3): Hoher Schutz (Der Goldstandard)

    • Eigenschaften: Sehr gute Abriebfestigkeit für hohe Geschwindigkeiten auf Landstraßen und Touren.

    • Typische Hosen: Der Großteil hochwertiger Textiltourenhosen sowie moderne Premium-Riding-Jeans.

  • Klasse A (EN 17092-4): Mittlerer Schutz

    • Eigenschaften: Ausreichender Schutz für niedrige Geschwindigkeiten (Stadt, Pendeln).

    • Typische Hosen: Leichte Sommer-Textilhosen, dünne Einstiegs-Jeans oder Cargo-Bikerhosen.

2. Die Hosen-Kategorien im Detail

A. Lederhose (Sport / Touring)

  • Aufbau & Material: 1,1–1,3 mm dickes Rind- oder Känguruleder.

  • Sicherheitsbewertung: Exzellent (Klasse AAA). Unübertroffen im Abriebverhalten auf Asphalt.

  • Vorteile: Flattert nicht im Wind, schmiegt sich perfekt an, Protektoren an Knie und Hüfte sitzen felsenfest an der richtigen Stelle.

  • Nachteile: Schwer, unkomfortabel beim Gehen, im Sommer heiß, nicht regenfest.

B. Textilhose (Touring / Adventure)

  • Aufbau & Material: Robustes Polyamid/Cordura® mit integrierter oder herausnehmbarer Klimamembran (Gore-Tex®, SympaTex®).

  • Sicherheitsbewertung: Gut bis Sehr gut (Klasse AA bis AAA).

  • Vorteile: 100 % allwettertauglich (wasserdicht, winddicht), oft mit Belüftungsreißverschlüssen und Thermofutter für kalte Tage.

  • Nachteile: Kann im Alltag etwas klobig wirken; Protektoren sitzen meist etwas lockerer als bei Leder.

C. Motorrad-Jeans (Riding-Jeans / Biker-Jeans)

  • Aufbau & Material: Sieht aus wie eine normale Jeans, nutzt aber zwei hochentwickelte Bauweisen:

    • Dual-Layer Aramid-/Kevlar-Gewebe (Doppellagig): Außen Baumwolldenim, innen komplett oder an Sturzzonen (Gesäß, Hüfte, Knie) mit Aramid/Kevlar gefüttert. Meist Sicherheitsbewertung Klasse A oder AA

    • Single-Layer (Einlagig): Baumwolle wird direkt mit extrem abriebfesten Fasern wie Dyneema®, Armalith® oder Cordura-Denim® verwoben. Meist Sicherheitsbewertung Klasse AA oder AAA

  • Sicherheitsbewertung:

    • Inzwischen gibt es extrem starke Single-Layer-Jeans mit Klasse AAA auf dem Markt!

    • Standard-Jeans liegen meist bei Klasse AA oder Klasse A.

  • Vorteile: Ziviler Look (ideal für die City, Arbeit oder Biergarten), extrem bequem, atmungsaktiv im Sommer, sehr unauffällige Protektoren.

  • Nachteile: Nicht wind- oder wasserdicht; saugt sich bei Regen schnell voll; bei kühlen Temperaturen zieht der Wind durch.

D. Cargo-Bikerhose

  • Aufbau & Material: Locker geschnittene Hose mit aufgesetzten Taschen im Military-/Utility-Look, ebenfalls mit Aramid-Futter oder Verstärkungsfasern hergestellt.

  • Sicherheitsbewertung: Mäßig bis Gut (Klasse A bis AA).

  • Vorteile: Sehr viel Stauraum durch Seitentaschen, lässiger Look, maximale Bewegungsfreiheit.

  • Nachteile: Weiter Schnitt führt dazu, dass Knieprotektoren im Falle eines Sturzes eher verdrehen können als bei eng anliegenden Hosen.

3. Wichtige Sicherheits-Features bei Hosen

  • Protektoren-Bestückung: Eine gute Hose muss serienmäßig über Knieprotektoren (idealerweise höhenverstellbar) und Hüftprotektoren verfügen (mindestens Level 1, besser Level 2 nach EN 1621-1). TIPP: Wird es am Knie oder der Hüfte durch die häufig ausgelieferten SAS Schaumprotektoren zu eng, empfiehlt cruiserfreun.de die Nutzung der D3O Ghost Protektoren. Diese sind hochflexibel, tragen weniger auf und haben meist Schutzwirkung Level-II.
  • Verbindungsreißverschluss: Ermöglicht das Koppeln der Hose mit der Jacke. Das verhindert bei einer Rutschpartie auf dem Rücken wirkungsvoll, dass die Jacke hochrutscht und die Haut freilegt. Einige Hersteller bieten auch Hosenträgersysteme an, die am Verbindungsreißverschluss ansetzen und die Hose in jeder Lage da halten, wo sie hingehört.
  • Sicherheitsnähte: Verdeckte Nähte nach ISO 4916 sorgen dafür, dass die Hose an den Belastungspunkten beim Rutschen nicht aufplatzt.

Normen, Prüfverfahren & Tipps

Im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es streng genommen keine eigenständigen ISO-Normen für Motorradschutzbekleidung, sondern EN-Normen (Europäische Normen). Wenn ISO mit im Spiel ist (z. B. EN ISO 13688 für allgemeine Schutzkleidung), dient sie als Basisprüfung. Das CE-Zeichen garantiert wiederum, dass die Bekleidung offiziell als PSA nach der EU-Verordnung 2016/425 geprüft und zugelassen wurde.

Oberkörper & Beine: Bekleidung (DIN EN 17092)
Verbindlicher Standard für Jacken, Hosen und Einteiler. Die Norm bewertet Abriebfestigkeit auf Asphalt, Nahtfestigkeit und Reißfestigkeit auf Prüfständen:
Klasse AAA (EN 17092-2): Höchster Schutz gegen Abrieb und Aufprall. Extrem robust, ideal für hohe Geschwindigkeiten (z. B. Lederkombis), aber starrer.
Klasse AA (EN 17092-3): Beste Balance aus hohem Schutz und Alltagskomfort. Der Goldstandard für Touren- und Textilbekleidung.
Klasse A (EN 17092-4): Basis-Schutz für niedrige Geschwindigkeiten. Sehr leicht und beweglich (z. B. Riding-Jeans oder leichte Sommerjacken).
Klasse B (EN 17092-5): Reiner Abriebschutz ohne mitgelieferte Protektoren.
Klasse C (EN 17092-6) Protektoren-Träger (z. B. Netzwesten) ohne eigenen Abriebschutz.

Tipps & Pflege:

  • Der Reißverschluss-Trick: Verbinde Jacke und Hose unterwegs immer über den rundumlaufenden Verbindungsreißverschluss. Das verhindert im Sturzfall, dass sich die Jacke bei einem Rutsch über den Asphalt nach oben verschiebt und der Rücken freiliegt.

  • Waschen: Protektoren vor jedem Waschgang herausnehmen. Jeans mit Aramid-/Kevlar-Einschüben auf links gedreht im Schonwaschgang waschen, um die Funktionsfasern zu schonen. Bei Dual-Layer Motorradjeans, die Hose nicht auf Links in der Sonne trocknen! Die Aramid-/Kevlareinsätze (oft als gelbe flauschige Einsätze erkennbar), neigen dazu durch zu hohe UV-Einwirkung kaputt zu gehen und somit ihre Schutzwirkung zu verlieren.

 

Die Schuhe

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

1. Die Zertifizierung für Motorradschuhwerk: DIN EN 13634

Motorradschuhe werden nach der Spezialnorm DIN EN 13634 geprüft. Auf dem Etikett findet man vier Zahlen untereinander (z. B. 2 2 2 2 IPA), die jeweils mit Level 1 (Standard) oder Level 2 (Höherer Schutz) bewertet werden:

  • Schafthöhe: (1 = Kurz/Knöchelfrei, 2 = Hoch/Schienbein bedeckt)
  • Abriebfestigkeit: (Prüft den Widerstand gegen Durchreiben auf Asphalt; 1=Standard/Basis, 2=Hoch)
  • Schnittfestigkeit: (Schutz gegen scharfe Gegenstände beim Sturz; ; 1=Standard/Basis, 2=Hoch)
  • Querverformungsfestigkeit: (Steifigkeit der Sohle, damit der Fuß bei einem Sturz unter dem Motorrad nicht zerquetscht wird; ; 1=Standard/Basis, 2=Hoch)

Zusatzkürzel: IPA = Knöchelschutz vorhanden, IPS = Schienbeinschutz vorhanden, WR = Wasserdicht.

cruiserfreunde empfiehlt immer IPA (Knöchelschutz) und mindestens eine 2-1-1-1 auf dem Sicherheitsetikett.

2. Die Schuhkategorien im Detail

A. Sport- & Racing-Stiefel

  • Aufbau & Material: Leder/Lorica-Kunstleder, feste Schienbein- und Fersenschalen, oft mit Gelenk-Torsionsschutz (überstreckungs- und verdrehsicher) sowie austauschbaren Schleifern an den Zehen.

  • Sicherheitsbewertung: Exzellent (Referenz – durchgehend Level 2).

  • Vorteile: Maximaler Schutz vor Umknicken, Verdrehen, Quetschen und Abrieb; extrem fester Sitz.

  • Nachteile: Sehr starr, unbequem beim längeren Gehen, quietscht oft beim Laufen, nicht thermisch isoliert.

B. Touren- & Endurostiefel (Adventure)

  • Aufbau & Material: Robustes Leder oder Microfaser, hoher Schaft, meist mit wasserdichter Membran (z. B. Gore-Tex®) und griffiger Profilsohle.

  • Sicherheitsbewertung: Sehr hoch (Level 1 bis 2).

  • Vorteile: 100 % allwettertauglich, schützt Schienbein und Knöchel exzellent, bietet soliden Gehkomfort auf Ausflügen.

  • Nachteile: Schwerer und klobiger als Freizeitkleidung; passt oft nicht unter enge Riding-Jeans.

C. Motorrad-Sneaker / Kurzstiefel

  • Aufbau & Material: Optisch wie ein normaler Freizeitsneaker, aber mit integrierter Knöchelverstärkung, versteifter Sohle, Zehen- und Fersenkappe sowie Schalthebelverstärkung.

  • Sicherheitsbewertung: Gut für die Stadt (meist Level 1).

  • Vorteile: Perfekter Alltags-Look, sehr leicht, extrem bequem beim Gehen, fällt im Büro oder in der Stadt nicht auf.

  • Nachteile: Kein Schutz für das Schienbein; der Fuß kann bei extremen Rutschpartien leichter aus dem Schuh gedreht werden als bei einem hohen Stiefel.

D. Chopper- / Biker-Boots (Lederstiefel)

  • Aufbau & Material: Klassische Lederstiefel aus dickem Rindleder (z. B. Ingenieur-Stiefel oder Schnürstiefel im Vintage-Look).

  • Sicherheitsbewertung: Mäßig bis Gut (Level 1).

  • Vorteile: Zeitloser Look, sehr abriebfestes Außenleder, robust und langlebig.

  • Nachteile: Bieten oft keinen modernen Torsionsschutz gegen Verdrehen des Fußgelenks; Schnürsenkel können sich ohne Abdeckung in den Fußrasten verfangen.

3. Wichtige Sicherheitsfeatures bei Schuhwerk

  • Quersteife Sohle: Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu normalen Alltags-Sneakern. Die Sohle lässt sich nicht mit der Hand verdrehen oder zusammenfalten – das schützt die Mittelfußknochen bei Quetschungen.
  • Beidseitiger Knöchelschutz: Eingearbeitete Kunststoff- oder D3O-Protektoren an den Innen- und Außenknöcheln.
  • Schalthebelverstärkung: Verhindert das Durchscheuern des Leders/Textils am linken Schuh durch den Schalthebel.

 

Übersicht:

Typ Schutzwirkung Gehkomfort Wetterfestigkeit Stil-Faktor
Touring / Adventure Hoch Mittel Sehr hoch Funktional
Sport / Racing Maximum Niedrig Variabel Sportlich
Classic / Heritage Mittel bis Hoch Hoch Mittel Rustikal / Retro
Urban Sneaker Basis Sehr hoch Niedrig bis Mittel Casual

Checkliste für den Kauf

  • Passform: Der Fuß muss an Ferse und Spann fest sitzen, ohne dass die Zehen vorne anstoßen.
  • Prüfnorm: Auf CE-Kennzeichnung nach EN 13634 achten (prüft Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit und Steifigkeit).
  • Sohlensteifigkeit: Die Sohle darf sich quer nicht leicht verdrehen lassen, um Fußquetschungen zu verhindern.
  • Schalthebel-Verstärkung: Verhindert vorzeitigen Verschleiß des Obermaterials durch den Schalthebel.

Normen, Prüfverfahren & Tipps

Im Europäischen Wirtschaftsraum gibt es streng genommen keine eigenständigen ISO-Normen für Motorradschutzbekleidung, sondern EN-Normen (Europäische Normen). Wenn ISO mit im Spiel ist (z. B. EN ISO 13688 für allgemeine Schutzkleidung), dient sie als Basisprüfung. Das CE-Zeichen garantiert wiederum, dass die Bekleidung offiziell als PSA nach der EU-Verordnung 2016/425 geprüft und zugelassen wurde.

Füße: Stiefel & Schuhe (DIN EN 13634)
Prüft Schafthöhe, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit sowie die Steifigkeit der Sohle gegen Querdruck.
Level 1: Basis-Zertifizierung für kurze Stiefel oder Motorrad-Sneaker.
Level 2: Maximaler Schutz bei Abrieb, Schnitt und Verdrehung, typisch für hohe Touren- oder Sportstiefel.

Tipps & Pflege:

  • Achtung! Viele Hersteller produzieren inzwischen Freizeitschuhe mit ihren bekannten Logos drauf! Achtet beim Kauf von Schuhen darauf, dass diese mindestens in allen Kategorien der Schutzklasse eine „1“ für die Basis-Zertifizierung haben. Ein Schuh ohne diese Zertifizierung ist meist teurer aber vom Schutz her genauso wirkungslos wie ein normaler Schuh. 
  • Pflege: Groben Schmutz nach der Fahrt mit einer weichen Bürste und lauwarmem Wasser abwaschen. Regelmäßig Imprägnieren und die Nähte sowie den Bereich der Schalthebelverstärkung pflegen. Lederstiefel werden komfortabler, wenn das Leder durch Nutzung eines Lederfetts geschmeidig gehalten wird.

  • Schnürsenkel-Sicherheit: Falls du Schuhe mit klassischer Schnürung fährst, verstaue die Schleifenenden unbedingt sicher unter den Laschen oder Gummis, damit sie sich beim Absteigen oder während der Fahrt nicht in der Fußraste, Schalthebel oder sogar im Antrieb verfangen.

 

Möchtest du Cruiserfreun.de unterstützen?

Deine Unterstützung von Cruiserfreun.de kann vielfältig sein: Als Sponsor, Tourenersteller, lokaler Experte oder einfach als Teilnehmer an einer der zahlreichen Ausfahren und Events, die hier gepostet werden. Komme auch in die cruiserfreun.de Facebook-Gruppe!